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Fragmente einer anderen Realität IV

Heute Nacht, im Halbschlaf, träumte ich wieder von dieser anderen Realität, die nur in meinem Halbschlaf existiert. Die folgende Geschichte hat sich dort zugetragen, ich wurde danach wieder wach und schrieb sie hier nieder.

Das Telefon klingelte. Es war der Mann von der Polizei. Er sagte mir, er wisse nun, was mit dem Mädchen in meinem Bett passiert ist.

Ich lernte sie eines schönen Tages auf dem Marktplatz beim Warten auf die Bahn kennen. Sie war nicht besonders hübsch, aber trotzdem etwas besonderes, also sprach ich sie an. Wie ich schien sie gerade viel Freizeit zu haben, wir hatten die gleichen Interessen und deshalb lud ich sie auf ein Spontandate ins nächste Café ein. Was war das nur für ein wunderbarer Abend...

Wir tranken eine heiße Schokolade, Milch mit Honig, schwarzen Tee und am Ende gab es einen edlen Wiskey. Als sie mir sagte, dass sie nirgendwo hinkönne, nahm ich sie zu mir nach Hause mit. Ich hatte Angst, dass ihr meine studentische Unordnung nicht gefällt, aber es hat sie einfach nicht interessiert. Wie klasse war das denn bitte? Den restlichen Abend verbrachten wir mit Kuscheln in meinem Bett und damit meine ich auch kuscheln, denn als Edelmann rühre ich keine Mädchen an, die ich nur einen Tag kenne. So schliefen wir in unseren Armen ein.

Am nächsten Morgen sah ich ihr beim Schlafen zu: wie friedlich sie da lag...
Doch irgendwie war sie ziemlich kalt. Ich schaute nach ihrem Puls, ich schaute nach ihrer Atmung und dann bemerkte ich: Die wird wohl nicht mehr aufwachen...

Also rief ich leicht gestresst die Polizei und die ließen sie abholen, befragten mich zu der Sache und dann gingen sie. Fluchtgefahr bestand bei mir offensichtlich nicht.

Doch was sagte mir der Polizist am Telefon? Nun: Im Appartement des Mädchens wurde ein Brief gefunden. Dieser wurde mir am Telefon vorgelesen.

Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Welt,
Dieser Junge macht mich fertig. Seit dem ich in der Schulzeit hinter ihm saß, muss ich ständig an ihn denken. Ich weiß, er hat eine Freundin, aber ich muss einfach wissen, ob wir einmal ein Paar werden können. Darum versuche ich jetzt, ihn zu verführen, sodass wir eine schöne Nacht haben können. Nur wenn das klappt, weiß ich, dass er mich später nur enttäuschen wird [...] deshalb werde ich mir in dem Fall das Leben nehmen. Bitte trauert nicht um mich.
[...]

Die pikante Information, die ihr wahrscheinlich fehlte ist, dass ich in keiner Beziehung war und bin. Sie hat mich einfach nur mit einer Freundin ein paar mal durch die Stadt laufen sehen und kam so zu dieser verheerenden Entscheidung.