Eine kurze, dystopische Zukunftsgeschichte

Hier kommt mal zwischendrin ein etwas anderer Text, der etwas dystopisch gehalten ist.

,,Miese Spelunke sucht noch mieseren Barkeeper für unsere Werten Gäste"
...steht auf einem Plakat, vor dem ich stehe. Ich denke, dass das sehr sympatisch klingt, halte kurz inne und stecke die faule Tomate in meiner Hand wieder in meine Tasche zurück. Heute besuche ich doch nicht die FDP auf ihrer Wahlkampftour. Langsam gehe ich los und werde mit der Zeit etwas schneller. In einer Seitenstraße beschimpfen zwei AFD-Wahlkampfhelfer eine Krähe. Anfangs scheint sie der Vogel nicht zu beachten, doch auf einmal dreht er sich um und blickt beiden in die Augen. Sofort laufen die beiden schreiend weg.
,,Schwarzer versuchte erneut, Deutsche zu vergewaltigen", wird man am Abend auf Facebook lesen können.
Und es wird auch nicht mehr lange dauern, bis auf den Dörfern die braunen Thinktanks versuchen, eine Lösung zu finden.

Ich trete in einen Hundehaufen. Verdammt... Der Haufen ist natürlich biologisch rein und vollkommen glutenfrei, nachdem im Frühjahr ein wütender Mob aus Erziehungswissenschaftlerinnen mit Rastalocken durch meine Stadt gezogen ist, um das Gluten ein für alle mal von der Straße zu verbannen. Mir wäre es aber lieber, sie hätten auch den Rest des Haufens mit verbannt.

Langsam komme ich am Bahnhof an und reihe mich in die Schlange vor dem Eingang ein. Seitdem die CDU die Alleinherrschaft hat, gibt es vor jedem öffentlichen Gebäude Körperscanner und Gesichtsüberwachung.

,,Was riecht hier so nach Gemüse?" fragt die Frau vor mir, da bleibt die Schlange plötzlich stehen. Eine Computerstimme verkündet: Auf Grund unserer neuen Personalbestimmungen wurde die Schlange outgesourct. Bürger sind ab jetzt dazu verpflichtet, vor jeder Reise sich gegenseitig zu untersuchen, um Kosten zu sparen.

Von der murrenden Menge beobachtet, fliegt eine einzelne Tomate gegen den Lautsprecher.